Meta hat sich entschlossen, wie Twitter zu werden. Manche argumentieren zwar, dass das erstmal nur für die USA gilt – Allerdings haben wir das beste Beispiel wie das läuft (*hust* Twitter *hust*) vor der Nase. Und auch der Digital Services Act ist meiner Meinung nach ein zahnloser Tiger, bei dem außer „du, du, schäm dich!“ und Strafzahlungen, über die sich meta krum lacht, auch nicht viel passieren. Die Behörden und Politiker nutzen die Plattformen ja auch und argumentieren, dass man dahin müsse, wo die Menschen sind. Daher werden die sich auch nicht selbst die Plattformen verbieten. Man sägt ja nicht an dem Ast, auf dem man sitzt.
Und ich bin wohl nicht die einzige, die, wie damals bei Twitter, das sinkende Schiff verlässt und sich Alternativen sucht. Zumal Instagram noch ganz andere Probleme hat – zum Beispiel keine vernünftigen Suchergebnisse mehr. In den letzten Monaten erhält Pixelfed, die Fediverse-Alternative zu Instagram, viel Zulauf. Und ich möchte wieder Hilfe anbieten und Fragen beantworten.
Vorweg: Wenn eine Frage nicht beantwortet wird, schreibt mir gerne. Als Kommentar, als Mail, via Mastodon – keine Frage ist zu doof. Und ich werde nur die Frage hier hinzufügen und nicht von wem sie kam. Legen wir los.
Was ist Pixelfed?
Pixelfed ist das Instagram des Fediverse. Es funktioniert im Prinzip exakt gleich. Man kann Bilder hochladen. Auch mehrere gruppiert. Genau wie bei Insta. Und es gibt natürlich auch Storys. Der Vorteil an Pixelfed: Keine Algorithmen! Du siehst deine Timeline, wie sie sein soll. Chronologisch! Du suchst etwas und dir wird das entsprechende angezeigt. Du bestimmst, was du siehst! Das mag Anfangs vielleicht auch gewöhnungsbedürftig sein, aber ich bitte euch, gebt Pixelfed eine Chance und haltet mindestens ein paar Wochen aus und postet Content. Bespielt die Plattform ein paar Wochen. Schaut euch dort um, sucht nach Hashtags oder Begriffen die euren Interessen entsprechen, folgt Accounts, die interessanten Content posten. Und ich wette ihr werdet die Vorteile und die Werbefreiheit zu schätzen wissen.
Was ist das Fediverse?
Der Vollständigkeit halber, für alle, die noch nie was davon gehört haben, nehme ich die Frage hier mit rein. Das Fediverse bezeichnet das gesamte Netzwerk aller Dienste wie Pleroma, Mastodon, Pixelfed, Loops und vielen mehr, die alle miteinander verbunden sind. Föderal. Du kannst sie alle lesen, sie können dich alle lesen. Stell dir vor du hättest Instagram und könnten jemandem auf Twitter oder LinkedIn folgen, er kann dir folgen, alle können sehen, was in anderen Netzwerken gepostet wird, ganz ohne zehn Accounts zu haben und alle gleichzeitig bespielen zu müssen. Und sie gehören nicht alle demselben Milliardär und niemand kann einfach entscheiden, dass von heut auf morgen alles anders wird. Es gibt keine Algorithmen die bestimmen was du siehst.
Warum muss ich einen Server wählen?
Die wohl am häufigsten gestellte Frage. Das ist eben wegen des Fediverse. Jeder kann einen Server betreiben, das Netzwerk ist frei und unabhängig. Das heißt, wenn du technisch versiert bist und deine Daten nicht in den Händen anderer Menschen sehen willst (auch wenn es in diesen Fällen schon mal keine profitorientierten, börsennotierten Datensammler sind), dann kannst du dir einen eigenen Server erstellen. Die Server sind von unterschiedlichen Menschen erstellt worden und du wirst feststellen, dass mancher Server besser zu dir passt als andere. Vielleicht, weil dort mehr Menschen sind, die deine Sprache sprechen. Oder weil ein Server thematisch festgelegt ist und du dich da wohlfühlst. Das heißt aber nicht, dass du für immer in einer bestimmten Bubble gefangen bist. Wie schon erwähnt, kommunizieren alle Server miteinander. Du kannst andere User von anderen Servern lesen, Fotos sehen, ihnen folgen. Und wenn du irgendwann denkst „Ach menno, ich würde gerne auf einen anderen Server umziehen“, dann kannst du das tun.
Welchen Server soll ich wählen?
Hier gibt es eine Serverliste mit allen zur Zeit verfügbaren Pixelfed Servern. Dort kann man aussuchen. Ich empfehle zurzeit Pixelfed.de, wenn man hauptsächlich deutschsprachige Inhalte sehen möchte. Wer es internationaler mag, kann zum Beispiel gram.social oder pixelfed.social ausprobieren.
Gibt es Filter?
Jein. Wenn man über den Webbrowser postet, dann gibt es Filter. In der offiziellen Pixelfed App (Google Play – Apple App Store) gibt es noch keine. Bei der App Pixelnest (Google Play) gibt es welche und dazu sehr schöne. Wie es bei weiteren Apps steht, darf gerne kommentiert werden. Ich hab mich noch nicht durchgetestet.
Gibt es Werbung?
Nein. Pixelfed ist werbefrei. Genau wie das restliche Fediverse. Alles finanziert sich aus freiwilligen Helfern und Spenden. Wenn du das gut findest, kannst du ja ab und zu oder sogar regelmäßig den Betreibern deines Servers ein paar Euro spenden. Dafür verkauft auch niemand deine Daten oder analysiert dich für Werbezwecke.
Keine Werbeposts, keine komischen Algorithmen die bestimmen, was du siehst und von allem wer DICH sieht. Klingt doch gut, oder?
Ein kleiner Haken: Das bedeutet jedoch auch, dass du keinen Algorithmus für dich nutzen kannst, um schneller zu wachsen. Gib der Sache Geduld und es wird sich prächtig entwickeln. Du wirst ganz sicher deine Leute finden und viele Follower gewinnen. Und du wirst mit jedem Tag das Fediverse und seine Wertfreiheit mehr schätzen lernen. Denn das Ganze hat auch den Vorteil, dass es keine Bots gibt und viel mehr echte Interaktionen.
Gibt es Privatsphäre-Einstellungen?
Natürlich gibt es die. Und genau wie bei Insta, kann man hier sein Profil auf privat stellen und bekommt Follower-Anfragen, die man akzeptieren oder ablehnen kann. Zusätzlich kannst du aber auch genauere Einstellungen definieren, wie zum Beispiel, dass deine öffentlichen Beiträge nicht in der Suche auftauchen sollen. Oder du kannst eine Einbettung deines Profils auf externen Seiten verhindern (so wie hier im Blog mein Pixelfed-Profil im Footer angezeigt wird). Man kann Accounts stumm schalten oder blockieren und sogar ganze Domains blocken und auch Follower entfernen.
Und wie sind deine Erfahrungen mit Pixelfed?
Also, ich bin zufrieden. Es ist angenehm auf Pixelfed. Keine komischen Beiträge oder Kommentare nur für den Algorithmus, keine Werbung, keine Spamkommentare.
Ich war ja eh nicht so der Instagram-Typ, daher hab ich meinen Account im Januar eingerichtet und ein paar Bildchen gepostet und dann hab ich das schleifen lassen. Weil ich doch eher die schreibende Person bin, als die, die jeden Tag Bilder postet. Zumal für mich Pixelfed (und auch früher Instagram) so ein Portal ist, wo ich nicht jeden Schnappschuss zeige, sondern mir schon Mühe gebe schöne Bilder zu machen, die nach was aussehen. Ich hab jetzt mit dem neuesten von heute 18 Beiträge, aber auch schon 54 Follower. Hätte ich kontinuierlich jeden Tag gepostet, wären es sicher hunderte. Ich werd mir mal Mühe geben und in zwei Monaten ein Update mit einer Entwicklung verfassen.
Bei Instagram ist es ja so, dass man, wenn man neu ist, ein paar Follower bekommt, weil Insta dich kurzfristig pusht und dann irgendwie nichts mehr. Zumindest nicht, wenn man nicht den Mainstream-Bewegtbildcontent macht, den Instagram gerne möchte. Aber mal ehrlich, wer will das wirklich? Mir geht dieser Kram wirklich auf die Nerven. Und die Videos (Reels, Storys) haben ja nicht ohne Grund inzwischen alle Texteinblendungen. Das haben die alle, weil sie kein Mensch auf Dauer den Krach und das Gesabbel anhören möchte. Erst recht nicht, wenn man durch die Timeline scrollt und zwischen Bildern plötzlich ein Reel losplärrt.
Und ich behaupte jetzt mal ganz kühn, wenn nicht so viele User auf Insta hoffen würden, dass sie reichweitenstarke Influencer werden und Geld wie Heu machen oder Fame werden, gäbe es nicht so viele Reels und Instagram und vor allem die Reels wären schon tot.
Ich habe mittlerweile einen Selbstversuch gestartet und 8 Wochen Instagram vs. Pixelfed getestet.


@follow Vielen Dank für den Artikel. Ja, man braucht Geduld und muss sich erst eingewöhnen. Und man muss damit leben, dass man wie in einer neuen Umgebung erstmal Kontakte knüpfen muss. Deshalb ist gerade Insta noch mein Zweitwohnsitz. Aber der Mittelpunkt ist jetzt schon Pixelfed
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